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Eule

2016/17

WS 2016/17, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Der Aufstieg der „Neuen Rechten“ – Krise der politischen Theorie?
Mit dem Debattenband Die selbstbewusste Nation (1994) forderte eine sich neu formierende intellektuelle Rechte in der Euphorie der deutschen Wiedervereinigung eher vergeblich den nationalen Aufbruch. Zwanzig Jahre danach ist die Situation eine andere: Die Euphorie ist verflogen, die Europäische Union steckt in der Krise, eine „regressive Moderne“ (Oliver Nachtway), in der sich Fortschritt und Rückschritt auf widersprüchliche Weise miteinander verzahnen, befördert europaweit einerseits gesellschaftliche Liberalisierung – etwa mehr Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern und Lebensweisen – forciert andererseits aber eine ökonomische Deregulierung, mit daraus erwachsenden sozialen Ungleichheiten. Zudem zeichnet sich ab, dass ein „Postwachstumskapitalismus“ nicht mehr in der Lage sein wird, nachhaltig Spielräume sozialdemokratischer Umverteilung bereitzustellen, denn den Niedergang der westlichen Ökonomien in ihrer jetzigen Form werden langfristig weder keynesianische Interventionen, noch neoliberale Deregulierung, noch billiges Geldes stoppen. Zu diesem Szenario tritt europaweit der Aufstieg rechter-, völkischer- und national-konservativer Bewegungen hinzu. Was hat politische Theorie angesichts dieser Entwicklungen aufzubieten, außer – so im Mittelweg 36 – ihre „Krise“ auszurufen?
Der Fokus des Seminars wird nicht primär auf der Frage liegen, welche Stimmungen, Ängste, Ressentiments den Aufstieg der Rechten befeuern, sondern darauf, welche politischen Angebote und Hoffnungen „rechtes Denken“ über die Enttäuschungsverarbeitung hinaus und gegen ein scheinbar alternativloses „Weiter so“ attraktiv macht(e) – heute – wie vor mehr als einem Jahrhundert in „Weimar“.

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2015/16

SoSe 2016, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Politische Philosophie im digitalen Kapitalismus
Der Blick auf den gegenwärtigen Technologisierungsschub zeigt eine disruptive Entbettung traditioneller Produktionszweige, die sich – analog zur Zersetzung feudaler Strukturen im 16. und 17. Jahrhundert durch protoindustrielle Zusammenhänge – als Inkubationsherd einer gesamtgesellschaftlichen Transformation, einschließlich neuer Kontroll- und Psychodynamiken denken lässt.
Gegenstand des Seminars wird die Frage sein, wie politische Theorien auf diesen Umbruch reagieren. Symptomatisch geht es dabei, um „Design als Vergesellschaftet-Sein“, um die Rede von „flachen Ontologien“, den Eintritt hybrider Objekte in das Theoriefeld, oder um Mythologeme, die sich den neuen Verhältnissen mimetisch entgegenstrecken. Horkheimer/Adorno entfalteten die Geschichte der europäischen Zivilisation in der Dialektik der Aufklärung unter dem Diktum von der „vollends aufgeklärten Erde“ als eine des Verfalls – wie jedoch könnte eine neue Großerzählung lauten, die zugleich die Möglichkeiten eines emanzipativen Projekts mitbedenkt?

WS 2015/16, Charité Universitätsmedizin Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
Zur Geschichte sexueller Selbstverhältnisse
In „Ex Machina“, dem Regiedebüt des britischen Roman- und Drehbuchautors Alex Garland, geht es in einer dystopischen Parabel um die maschinelle Ersetzbarkeit des Menschen. Doch was hat es zeitdiagnostisch zu bedeuten, wenn sexuelles Begehren als Turing-Test dafür fungiert, inwieweit menschliche Subjektivität mittels künstlicher Intelligenz imitiert werden kann? Innerhalb einer Geschichte der menschlichen Selbstverhältnisse ist die Mensch-Maschine-Konstellation nicht neu: Im Ausgang des Deutschen Idealismus ist das „Selbstverhältnis“ als historisch einschlägiges Modell der Subjektkonstitution theoretisch insuffizient. Dies zeigt sich beispielsweise in E.T.A. Hoffmanns Nachtstücken, in denen die Frage nach dem „Grund des Ich“ zur Frage nach den „Abgründen des Ich“ gewendet ist – etwa im Sandmann über die Figur der Olimpia, einem mechanischen Apparat.
Davon ausgehend wird der Fokus des Seminars auf der Frage liegen, welchen Formwandel das Theorem des „Selbstverhältnisses“ bis zu den Technologien des sexuellen und des therapeutischen Selbst im zum heutigen neoliberalen Umfeld durchlaufen hat.

WS 2015/16, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Zur „Immanenz“ des Politischen: Politisches Denken nach Spinoza
Welchen Vergesellschaftungsmodellen folgen Staaten, die ihre produktive Basis auf die „Industrie 4.0“ umstellen? Für Wagniskapitalgeber, die diesen Prozess forcieren, Staaten aber lediglich als konkurrierende Marktteilnehmer denken, verwandelt sich der politische Raum in ein kybernetisches System, das seine Effizienz einer algorithmischen Regulierung verdanken soll. Lösen Computer-Codes als Synonym radikaler Immanenz zukünftig Gesetze ab?
Das Seminar verlegt die Frage der Immanenz zunächst in eine frühe Konstellation politischer Theorie – in die von Hobbes und Spinoza. Verbunden ist dies mit der These vom grundlegend anderen Charakter der politischen Philosophie Spinozas gegenüber der von Hobbes: Spinoza ist kein Rechtsphilosoph, er kennt keine der Hobbes’schen Vorstellung adäquate transzendental abgesicherte Unterwerfung. Statt dessen setzt er – so ließe sich aus heutiger Perspektive formulieren – auf Regulierung und Selbstregulierung. Spinoza also ein früher Vorläufer Foucaults? Das Seminar wird diese Frage mit der These zuspitzen, dass gegenwärtige Spinoza-Rezeptionen einer Politik ohne Politisches verfallen – wie sie die algorithmische Regulierung annonciert.

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2014/15

WS 2014/15, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Politisches Philosophieren nach dem „Fall“ Heidegger
Als „Fall“ Heidegger gilt spätestens seit Beginn der 1980er Jahre, dass der „Größe“ der Philosophie Heideggers dessen nazistisches Engagement gegenübersteht. Mit den 2014 publizierten „Schwarzen Heften“ – eine Art Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1931-41, in denen Heidegger den Nazismus „denkerisch bejaht“ und einen philosophisch fundierten Antijudaismus entwickelt –, steht die Rezeption seines Denkens in der gegenwärtigen Politischen Philosophie erneut zur Debatte, stehen sich anklagende „Moralisten“ seinen Verteidigern gegenüber.
Das Seminar gibt eine Einführung in die wichtigsten Etappen der Auseinandersetzung mit dem politischen Engagement Heideggers. Daran anschließend wird es v.a. um jenen Strang der französischen Rezeption gehen, der bereits in den 1980er Jahren in der Formel von „Heideggers Schweigen zum Holocaust“ seinen Antisemitismus und sein nazistisches Engagement in jenen Begriffen „verphilosophiert“ hatte, die die gegenwärtige Rezeption noch immer bestimmen. Es geht darum, zu verstehen, welche Attraktivität u.a. ein „Linksheideggerianismus“ nach Zusammenbruch des Staatssozialismus bereithält und was eine moralförmige Kritik an dieser Rezeptionslinie, so „hilflos“ macht.

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2013/14

WS 2013/14, HU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
„Technologien des Selbst“ in Dietrich Bonhoeffers Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft (1943-45)
Bonhoeffers Briefe und Aufzeichnungen gehören in die Reihe jener Dokumente des 20. Jahrhunderts, die entweder aus der unmittelbaren Erinnerung an die Zeit des „Lagers“ entstanden sind, oder die oftmals nur als „Flaschenpost“ zufällige Empfänger erreichten. Sie in einer gendertheoretischen Perspektive mit einer foucaultschen Formel zu lesen, beinhaltet ein Doppeltes: Die Frage danach, welche Formen der Identität ein Überleben im Angesicht der Todesdrohung ermöglichen, zielt auf eine Selbstaufklärung über die narrativen Muster, auf denen der theoretische Korpus der Genderstudien (auch) basiert. Dieser explizit subjekttheoretische Ansatz schlägt die Brücke zum Komplex der geschlechtlichen- und sexuellen Identitätsfindung, sodass das Seminar in mehreren Sitzungen Fallbeispiele aus der sexualmedizinischen und endokrinologischen Praxis vorstellen und diskutieren wird.

WS 2013/14, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Zur Rationalität politischer Macht bei Thukydides
Über die Biographie des Thukydides, ein Athener Stratege und Historiker (etwa 455-395 v. Chr.), ist kaum etwas bekannt, um so erstaunlicher ist die mit der Renaissance und Aufklärung einsetzende – nicht nur akademische – Rezeption seines „Peloponnesischen Krieges“: Kenntnis und Verinnerlichung der Gefallenenrede des Perikles gehörten geradezu zur patriotischen Pflicht des bildungsbürgerlichen Zeitalters. Das Seminar bietet einen Einblick in den historischen Entstehungskontext des „Peloponnesischen Krieges“, verbunden mit einer Antwort auf die methodische Frage, wieso sich Texte politischer Ideengeschichte nicht mehr teleologisch als aufeinander bezogene Beiträge interpretieren lassen, sondern aus ihrem spezifisch historisch-politischen Kontext heraus verstanden werden müssen. Der Hauptteil des Seminars ist der thukydeischen Machtanalytik gewidmet, ihrer Entstehung, ihrer zentralen Begrifflichkeit und Fundierung im Menschenbild des Thukydides, aus dem heraus auch die Pathologien der Macht ihre Erklärung finden.

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2012/13

SoSe 2013, HU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
Susan und Jacob Taubes – Philosophieren im Schatten des Holocaust oder: Zur Pathogenese einer Beziehung
Wer den 2011 publizierten Band der Korrespondenz von Susan mit Jacob Taubes zur Hand nimmt, kann sich auf die Entdeckungsreise einer intellektuellen Biographie begeben, die in die Vorgeschichte des postmodernen Denkens führt, dabei aber – gleichsam zeitversetzt – die Zumutungen gegenwärtiger neoliberal überformter Subjektivität aufscheinen lässt: Während Jacob als aufsteigender Grossintellektueller und früher Mentor der 68er Bewegung eine Intellektualität präsentiert, deren androzentrischem Bias weiblich konnotierte Denkräume verstellt sind, verbleibt Susan in dieser männlichen Welt als Suchende und Fragende, später dann als Fremde. In ihrem autobiographisch-gefärbten Roman Divorcing (1969) nennt sie sich Sophie Blind, ihr angeheirateter Name, Taubes, lässt sie ihn mit Taubheit assoziieren. Denn es ist gerade die aufgeklärte, unautoritäre intellektuelle und kulturelle Atmosphäre der frühen 60er Jahre, in deren subtilen Mechanismen einer umfassenden Verfügbarkeit – sich zwischen „Spinoza und einer Existenz als Playgirl in Acapulco“ entscheiden zu müssen –, der Protagonistin ihre subjektiven Gewissheiten und der Bezug zur Realität verlorengehen und dem Roman seinen suizidalen Drive vorgeben.
Im Seminar wird es darum gehen, anhand des verfügbaren Materials (Briefe, vorliegende Publikationen u.a.) dem – v.a. geschlechtertheoretisch – noch zu Denkenden in dieser mehr als biographischen Konstellation nachzugehen. Erwartet wird die Bereitschaft, sich auf komplexe religionsphilosophische Sachverhalte einzulassen.

WS 2012/13, HU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
Louis Althusser und Hélène Rytman – Geschlechterpathologie im Schatten des Strukturalismus
Als Althusser 1980 seine Frau erdrosselte, wertete die Zunft dies beschönigend als biographisch erklärbare menschliche Fehlleistung. Anders dagegen der Dramatiker Heiner Müller, ihn interessierte der „Fall“ als „Stoff“ – das Scheitern eines marxistischen Intellektuellen, das in einen Mord einmündet, zehn Jahre bevor die Berliner Mauer fällt. Althussers Denken hat vor allem in den Fußnoten der poststrukturalistischen Rezeption überlebt, etwa der von Judith Butler. Inzwischen werden die Schriften Althussers wieder neu aufgelegt und sein posthum veröffentlichter „Materialismus der Bewegung“ erhellt auch seine philosophische Autobiographie. Neben einer Einführung in das Denken Althussers und in dessen (feministische) Rezeptionsgeschichte wird es im Seminar darum gehen, Althussers ideologietheoretische Bearbeitung der Verstrickung der menschlichen Existenz in die Phantasmen der Psyche auf ihre geschlechterspezifischen Elemente hin verstehbar zu machen. Bei Interesse besteht das Angebot, sich außerhalb der Seminarzeiten mit einem Theaterstück zum „Fall Althusser“ auseinanderzusetzen.

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2011/12

SoSe 2012, HU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin
Der Fetisch – „symbolische Interdependenzen“ (Luhmann) eines Begriffs
Marx und Freud, denen der aus kolonialem Erbe hervorgegangene Begriff vor allem seine Karriere verdankt, haben ihren zunächst analytisches Ansatz zu einer symbolischen Metapher von einem Zwangsverhältnis verdichtet – der freudschen Analyse geschlechterspezifischer Individualpathologien entspricht die marxsche Rede von der „industriellen Pathologie“. Beide Formen lassen sich aufklärerisch nicht einfach auflösen, die Rede vom Fetisch benennt einen Bann, der die Wirklichkeit in einer Weise absorbiert, die selbst „wirklich“ und wirksam ist. Das Seminar schließt mit einer Suchbewegung an: Wenn im freudschen Ursprungstext von 1927 der Fetisch als „Substitut eines weiblichen Phallus“ fungiert, als ein „Mittel zu leugnen, daß die Frau keinen Penis hat“, so soll es darum gehen, Formen des Politischen zu thematisieren, in denen eine fetischisierenden Operation, den Grund der „Wirklichkeit“ bestreitet, um ihn in einer „reinen und idealen Begründung zur Erscheinung zu bringen“ (Deleuze).

SoSe 2012, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
„Deus sive substantia sive natura“ – Zur Spinoza-Rezeption in der gegenwärtigen Politischen Theorie Jahrhunderts
Seinen Zeitgenossen galt er als Skandalon: Während Leibniz in seiner Theodizee Gottes Fehlleistungen in mildem Licht erscheinen ließ, formulierte Spinoza eine Ideologiekritik. Sein descartscher Ansatz der „clare et distincte“ trieb den Gottesbegriff bis zur reinen Apersonalität, die Ableitung von „Handlung“ und „Leiden“ erfolgte aus der „Natur“ des Menschen selbst. Was ihn suspekt machte, war jedoch nicht seine Nüchternheit, sondern die rigorose Verkoppelung der Affektenlehre mit einer emotionslos handelnden Gottheit, die nur ihren eigenen Gesetzen gehorcht. Doch: ein Gott der nicht lieben kann, demoliert nicht nur zahllose Theolegumena, er entzieht auch dem ideologischen Lebenselixier der kapitalistischen Produktionsweise den Boden: der Kontingenz, die als „Spontanität“ oder als „Freiheit“ daherkommt, wie auch Affekten wie „Missgunst“, „Habsucht“ oder „Gier“. Im Seminar wird es um zweierlei gehen, auf Basis eines historisch verorteten Spinoza, seine gegenwärtige Rezeption zu sichten – angefangen von Leo Strauss über Louis Althusser, bis Antonio Negri – verbunden mit der Frage, wie sich Spinoza denn „heute“ lesen ließe?

WS 2010/11, FU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin und Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Die Figur der Antigone in der Politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts
Antigone „imitiert die Sprache der politischen Souveränität“ formulierte Judith Butler in einem Interview mit Carolin Emcke von 2001. Es ist ein Sprechakt, mit dem Antigone ihren Tod besiegelt. In dem parallel zu diesem Interview erschienenen Band Antigones Verlangen: Verwandtschaft zwischen Leben und Tod diskutiert Butler auf dem Hintergrund von Interpretationen, die Hegel, Lacan, Irigary und Lévy-Strauss vorgegeben haben, ob Antigone als Vertreterin eines weiblichen Prinzips sterben musste, wie es feministische Lesarten nahelegen, oder weil sie das symbolische Gesetz übertritt. Wenn Butler dabei die Frage aufwirft, wie die Welt der Gesetze aussehen müsste, „in der Antigone am Leben geblieben wäre“, eröffnet sie einen Fragehorizont, in den sich auch das Seminar begeben wird: Sie verweist auf eine Politik nicht als „Frage der Repräsentation“, sondern als eine Möglichkeit, die sich eröffnet, wenn die „Grenzen der Repräsentierbarkeit selber zutage treten“.

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2010/11

SoSe 2009/10, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Jean-Jacques Rousseau – der Diskurs über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen und seine Rezeption in der Moderne
2009 publizierte der Merve-Verlag zusammen mit zwei Texten von Alexandre Kojève und Friedrich Kittler die deutsche Fassung eines Klassikers der Politischen Philosophie – „Persecution and the Art of Writing“ von Leo Strauss. Der Text intendiert zunächst die Aussage, Verfolgung mache ein verdecktes philosophisches Schreiben notwendig, woraus sich folgern lässt, dass ein wortwörtliches Textverstehen nicht zum Sinn führen könne. Mit dem Prozess der Aufklärung wird die Notwendigkeit, zwischen einer exoterischen und esoterischen Textebene zu unterscheiden, eigentlich obsolet. Nicht jedoch für Strauss und seine Schüler, die am privilegierten Status der Philosophie festhalten, die den Wenigen, den Eingeweihten vorbehalten bleiben soll. Doch welches Sinnverstehen wird nahegelegt, wenn der Diskurs von diesem Ansatz her gelesen wird?
Ausgehend von dieser Frage, die auf die These vom „exoterisch- esoterischen Doppelgesicht“ (Heinrich Meier) des Diskurses hinausläuft, wird im Seminar ein Lektürefeld besichtigt, das bis in die unmittelbare Gegenwart reicht und im „Anti-Rousseau“ eines Norbert Bolz auf die These hinausläuft, der „Egalitarismus [sei] eine Anleitung zum Unglücklichsein“.

WS 2010/11, FU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin und Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Politiken der Geschlechter bei Wilhelm von Humboldt und Michel Foucault
Wilhelm von Humboldts 1791 verfasste Ideen zu einem Versuch, die Gränzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen mutet in weiten Passagen an, wie eine moderne, neoliberale Kritik an staatlichen Wohlfahrtstechnologien: Diese bewirkten lediglich, dass das Individuum bereit sei, „den Ueberrest seiner Selbstthätigkeit gleichsam freiwillig zu opfern“ und sich „sogar jeder Verbesserung seines eigenen Zustandes überhoben“ sieht.
Humboldts Revision des Hobbesschen Unterwerfungsvertrags zugunsten eines Dispositivs „einer durch die Freiheit ermunterten Selbstthätigkeit“, in der sich „jedes Wesen aus sich selbst organisiert“ und „modifiziert“, entwickelt seine Dynamik aus einer bipolaren Geschlechterästhetik, die Humboldt in zwei nachfolgenden Aufsätzen detailliert entfaltet: Über den Geschlechtsunterschied und dessen Einfluss auf die organische Natur (1794) und Über die männliche und weibliche Form (1795).
Humboldts Innovation in den erwähnten drei Texten besteht darin, das „Politische“ ins „Ästhetische“ zu transformieren. Allerdings geschieht dies, in dem das Normative ästhetischer Selbstmodellierung nicht als etwas Vorgegebenes gedacht wird, sondern als Effekt einer Herrschaftsbeziehung, die auf einer entpathologisierten „Sinnlichkeit“ basiert. Die rigorose Pflichtethik Kants, „die alle Grazien […] zurückschreckt“ (Friedrich Schiller) und als Sinnbild staatlichen Durchregierens gelten kann, unterläuft Humboldt somit in einem Modell ästhetischer Anmut, was es nahelegt – so die Intention des Seminars –, Foucault mit seiner Rede von der „ästhetischen Existenz“ als modernen „Wiedergänger“ Humboldts zu lesen.

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2009/10

SoSe 2010, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Niccolò Machiavelli – Der „bewaffnete Prophet“ und seine Jünger
Für Leo Strauss, die graue Eminenz der konservativen politischen Philosophie in den USA, beginnt mit Machiavelli die moderne Aufklärung. Seine Bedeutung sei nur zu verstehen, so Strauss, wenn man sein Denken mit dem traditionellen vergleiche, das er verwirft. Außer Xenophons „Kyropädie“, dem ersten Fürstenspiegel, ließ Machiavelli lediglich noch dessen „Hiero“ gelten, zum dem Strauss selbst eine subtile Studie verfasst hat –„Über Tyrannis“.
Anhand der Differenz von sokratischer und machiavellischer politischer Philosophie wird es somit um die Frage gehen, was so gegensätzliche Interpreten wie Strauss oder den marxistischen Philosophen Louis Althusser an Machiavelli faszinierte. Ist es lediglich das Postulat, dass die wahre Natur des Politischen darin besteht, als „bewaffneter Prophet“ die Macht zu erringen und zu behalten, oder ist ein Politikbegriff, dessen Effizienz darin besteht, dass ihm alle transzendenten Elemente entzogen sind?

SoSe 2010, HU-Berlin, Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin und Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Vom Ursprung des Geistes aus der Geschlechtlichkeit. Der Streit zwischen Wilhelm von Humboldt und Immanuel Kant um die „Einbildungskraft“
Der erste Band der von Schiller herausgegebenen Zeitschrift Horen von 1795 enthielt zwei Aufsätze des 28-jährigen Humboldt, die in eigenwilliger Weise ein zentrales zeitgenössisch-philosophisches Problem thematisieren: das der Einbildungskraft. Wie und warum ist es möglich, dass Menschen kreativ sind, Neues in die Welt bringen? Mit der Französischen Revolution hatte die anthropologische Debatte eine neuartige politische Relevanz erhalten, im Zuge der Genie-Ästhetik um Goethe (Genie haben versus Genie sein) wurde sie auch unter Künstler_innen und Autor_innen in neuer Intensität aufgegriffen.
Kant hatte gefragt, ob die „zwei Stämme der menschlichen Erkenntnis“ – Sinnlichkeit und Verstand – welche im Konzept „Einbildungskraft“ synthetisch verbunden werden, nicht „aus einer gemeinschaftlichen, aber uns unbekannten Wurzel entspringen“. Wilhelm von Humboldt nun sucht diese „Wurzel“ in der menschlichen Geschlechtlichkeit, genauer im anthropologischen Vergleich des männlichen und weiblichen Geschlechts. Seine theoretische Konzeptionalisierung des Geschlechtsunterschieds steht in einer interessanten Spannung zur auf Ebenbürtigkeit basierenden offenen Ehe mit Caroline von Dacheroden. Zugleich basiert Humboldts Verständnis von Quellen künstlerischer Kreativität zu einem nicht unwesentlichen Teil auf seinem engen Kontakt zu Schiller. Die Reaktion des über sechzigjährigen Kant auf die Intervention des jungen Gelehrten führt zu einer für die nachfolgende Philosophie- und Wissenschaftsgeschichte folgenschweren Abwehr und Verdrängung des Problems. Das Seminar stellt sich zum Ziel, im transdisziplinären Rückgriff auf philosophische, literarische und sexualmedizinische Quellen die Geschichte dieser Verdrängung zu rekonstruieren.

WS 2009/10, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Politische Anthropologien der neuen Biopolitiken
In seinem 1988 veröffentlichen Text „Geschlecht sexuelle Differenz, ontologische Differenz“ stellt Derrida die Frage nach dem geschlechtsspezifischem Charakter des Heideggerschen „Daseins“. Sein Befund hebt sich insofern ab von der üblichen Kritik an der geschlechtlichen Neutralität des „Daseins“, als er diese Kritik - Heidegger weiterdenkend - unterläuft: Jenseits einer „faktischen Zerstreutheit“ des Daseins in unterschiedliche Geschlechtskörper, wie sie eine „biologischanthropologische Wissenschaft“ konstituiere, sei eine „sexuelle Differenz“ zu denken aufgegeben, die noch nicht „Differenz als eine duale“ wäre. Heidegger gilt zweifellos nicht als klassischer Theoretiker der Biopolitik, dennoch reflektiert sich bei ihm das „Biologische im Politischen“ (Foucault), denn sein von allen Bestimmungen freies „Dasein“ ist in seiner bloßen Selbstbezüglichkeit ebenso verfügbar geworden wie das „Lebende“ bei Foucault, das es „in einem Bereich von Wert und Nutzen zu organisieren“ gilt. Im Anschluss an diesen hermeneutischen Ausflug bestimmt folgende These das Erkenntnisinteresse des Seminars: Reflexionen über Gender und Politik bewegten sich zuletzt im Kontext poststrukturalistischer sowie psychoanalytischer Theorien, gegenwärtig jedoch beanspruchen die neuen „Lebens“-Ontologien nicht nur epistemische, sondern auch politisch-ethische Kompetenz - also Verfügung über Wert und Nutzen von Leben. Diese Kompetenz generieren sie jedoch nicht aus sich selbst heraus, sondern sie ist ihnen auch von den „klassischen“ politischen Anthropologien eines Heidegger, Schmitt, Gehlen oder Plessner eingeräumt worden - was es zu untersuchen gilt.

SoSe 2009, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Figuren neuzeitlicher Souveränität und ihre ideengeschichtlichen Repräsentationsformen
Die beiden wichtigsten Gründungsdokumente neuzeitlicher Souveränität - Jean Bodins „Sechs Bücher über den Staat“ (1576) und der „Leviathan“ (1651) von Thomas Hobbes - wählen unterschiedliche Wege um ihren Gegenstand ikonographisch in den Blick zu holen. Während Hobbes für den Titelkupfer seines „Leviathans“ einen aus Menschenleibern zusammengesetzten Riesen zeichnen ließ, der die neue Machtfülle elementar in Szene setzt, wird man bei Bodin auf einen von Säulen umfassten Brunnen verwiesen, aus dem das Wissen in Eimern geschöpft wird. So unterschiedlich beide Darstellungen strukturiert sind, haben sie dennoch eine gemeinsame, bis ins Mittelalter zurückreichende Referenz - der „Souverän“ als Stellvertreter Gottes auf Erden -, die sie wiederum mit einer bis in die Gegenwart reichenden Problematik verbindet.
Zentral für das Seminar ist neben einer Einführung in die neuzeitliche Souveränitätsproblematik folgende Fragestellung: Auch wenn heutige Machtausübung ohne sichtbares „souveränes“ Zentrum operiert, verfolgt sie dennoch entgegen allen Säkularisierungsthesen ein gemeinsames mittelalterliches Erbe, der Zusammenhang zwischen Theologie und Politik. Handelt es sich dabei, wie beispielsweise Carl Schmitt annahm, im wesentlichen um eine „Analogie“, oder ist der Zusammenhang in dem gegeben, was sich als Notwendigkeit zur symbolischen Repräsentation beschreiben ließe?

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2008/09

SoSe 2009, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Vilém Flusser - die Begründung der Kommunikation aus dem Geist der Theologie
In der Biographie des jüdischen Philosophen Vilém Flusser verdichtet sich das zurückliegende 20. Jahrhundert wie in einem Kaleidoskop. Wer sich auf diese Biographie einlässt, blickt allerdings nicht auf „schöne Formen“, sondern auf ein exemplarisches Leben in Gestalt eines philosophischen Projekts mit vielfältigen Irrungen, Enttäuschungen und Hoffnungen, in dem aber eine brennende Religiosität mit einer überschäumenden - nicht nur technischen - Neugier zusammenschießt.
Flussers zentrale Verheißung einer „Kopernikanischen Wende“ von der Schrift- zur Bildkultur liefert ihr Krisenphantasma gleich mit: Denn mit der Digitalisierung verschiebt sich der alte philosophische Streit um die urteilsbildende beziehungsweise täuschende Kraft der Bilder eindeutig zugunsten ihrer instabilen virtuellen Potenz. Die medial gebundenen, substanzlosen, in doppeltem Sinne „flüchtigen“ Bilder verweigern sich der „rationalen“ Linearität der Schrift.
Ausgehend von dieser programmatischen Skizze wird es in dem Seminar darum gehen, nachzuzeichnen, wie ein Denken, das seine Herkunft aus dem alttestamentlichen Bilderverbot ebenso wenig verleugnet wie die Erfahrung des Holocaust, sich einen Raum technologisch formierter Kommunikation eröffnet, der die Gegenwart ähnlich transzendiert, wie die ideale Kommunikationssituation bei Habermas.
Andererseits - Flussers Denken ist umstritten und so soll es in dem Seminar auch darum gehen, diese Denkformen an einem Zugang zum „Visual History Archive des Shoah Foundation Institute“ zu erproben.

SoSe 2009, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft (zusammen mit Andreas Kellner)
Pathologien der „Anerkennung“ - Zur Verfallsgeschichte des männlichen Vernunftssubjekts
In Jean-Paul Sartres Theaterstück „Geschlossene Gesellschaft“ verkehrt sich Hegels Anerkennungstheorem, das einst ein hegemoniales männliches Bewusstsein zu sich selbst kommen ließ, zur „Hölle“, die „die anderen“ sind. Wenn - so ließe sich das von Sartre in Szene gesetzte Verhängnis subjekttheoretisch reformulieren - gelingende Subjektwerdung an Anerkennung gebunden, diese jedoch keinesfalls selbstverständlich ist, resultieren aus dieser Anlage prekäre Existenzen, die sich ihrer selbst nie sicher sein und daher ins „Pathologische“ abgleiten können.
Die neuere Rezeptionsgeschichte des Hegelschen Anerkennungstheorems oszilliert zwischen sozialpsychologischen und bewusstseinstheoretischen Prämissen der Ausbildung von Identität und Authentizität einerseits und den Voraussetzungen von Respekt und kultureller Differenz andererseits, dennoch - so die Ausgangsthese des Seminars - ist das Wissen um die Konsequenzen eines defizienten Modus der Anerkennung allen Ansätzen inhärent.
Nach einer Bestandsaufnahme der wichtigsten Traditionen der Anerkennungstheorie soll es im Seminar jedoch vor allem um eine gendertheoretische Erkundung der Anerkennungsproblematik gehen. Leitender Gesichtspunkt ist allerdings nicht die Frage, wie mit umkämpften geschlechtlichen Identitätsmodellen Politik betrieben werden kann, sondern vielmehr, inwieweit eine gendertheoretisch postulierte Indifferenz des Geschlechts nicht die theoretische Begleitmusik für die immer neuen Zumutungen einer postfordistischen „Hölle“ der Subjektmobilisierung ist. Die Anforderungen, denen sich das Subjekt dabei ausgesetzt sieht, verlaufen entlang des schmalen Grats zwischen „Selbstermächtigung“ und „Selbstunterwerfung“. Dabei müssen mit den Fortschritten der Hirnforschung neue Dimensionen von „Biopolitik“ mitgedacht werden.
Für eine erfolgreiche Teilnahme am Seminar erwarten wir die Bereitschaft, sich auf die Lektüre von gendertheoretischen wie auch sexualmedizinischen Texten einzulassen.

WS 2008/09, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie (zusammen mit Andreas Kellner)
Endangst und Enderwartung - Zur Kritik der gnostischen Versuchung
Die Erwartung eines nahen Endes ist in vielfältiger Weise in die Entstehungs- und Wirkungsgeschichte des Christentums eingeschrieben und damit auch fester Bestandteil politischer „Utopien“ verschiedenster Prägung. Auch nach Aufklärung und „Säkularisierung“ blieben eschatologische Geschichtsdeutungen politisch funktional, bis hin zur „Wiederkehr der Heilsgeschichte“ im politischen Mythos des Nationalsozialismus. Heute scheint die Verkürzung der Zeit, auf das „was bleibt“ (1. Kor 7,29) keinesfalls nur Domäne evangelikaler Endzeit-Thriller zu sein, sondern auch den Lebensnerv unserer unmittelbaren Gegenwartsbefindlichkeit mit ihren vielfältigen Zukunftsängsten zu treffen.
Im Seminar wird es darum gehen, anhand ausgewählter Textbeispiele das umfangreiche Feld eschatologischen Denkens zu besichtigen: Angefangen von Ernst Bloch und Walter Benjamin, die gesellschaftliche Begriffe in ein theologisches Kraftfeld ziehen, in dem sie eine neue Prägung erfahren, über Jacob und Susan Taubes, in deren Texten sich die Erfahrung der jüngst vergangenen historischen Katastrophen überlagern bis hin zur gegenwärtigen Rezeption der paulinischen Briefe als grundlegendes messianisches Fundament westlicher Kultur.
Wichtigste Intention des Seminars wird allerdings sein, jenseits einer popkulturellen Begeisterung für „Ende“ und „Untergang“ nach „identitätskonkreten Erzählungen“ (Harald Welzer) zu suchen, die sich nicht in die Falle der revolutionär-gnostischen Utopien der Vergangenheit begeben.

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2007/08

SoSe 2008, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Zur Politischen Theologie von „Totengedächtnis“ und „Opfermythos“
Mit der Diskussion um die Errichtung einer Gedenkstätte im Bendlerblock für die bislang 2600 Soldaten, die seit der Gründung der Bundeswehr im Dienst gestorben sind, tritt eine Dimension „politischer Theologie“ den Blick, die in den Selbstverständigungsdebatten der Bundesrepublik bestenfalls mit Blick auf die toten Soldaten der beiden Weltkriege eine Rolle gespielt hat: Nicht nur geht es jetzt um die Frage, ob der Bendlerblock als Gedenkstätte für die Opfer des NS-Widerstands vom 20. Juli 1944 der richtige Standort ist, oder darum, ob mit dem Ehrenmal die Tradition der „Kriegerdenkmäler“ durchbrochen wird. Zur Frage steht auch, ob nicht, wenn bei gegenwärtigen Kriegseinsätzen beschwichtigend von der „Bündnispflicht“ die Rede ist, „Tod und Sterben“ in einer die Moderne kennzeichnenden Weise ausgeblendet werden.
Entsprechend der Tiefe der Thematik wird das Seminar in drei Teile gegliedert sein: Der erste wird sich auf die Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Diskussion zum Ehrenmal konzentrieren. Dem zweiten Block liegt die „Schlussthese“ aus Carl Schmitts „Politischer Theologie II“ von 1969 zu Grunde, in der er einen Übergang von der „Politischen Theologie zur Politischen Christologie“ postuliert. Theologisch scheint diese These durch die verschiedenen Spielarten eines dialogischen Personalismus, der letztlich die „Ich-Du-Beziehung“ in Formen existenzialphilosophischer Selbstermächtigung (Emanuel Hirsch) transformiert, gedeckt zu sein. Als Hintergrund für ein Gedenken, das Soldaten gilt, deren Taten Frieden, Demokratie und Menschenrechte durchsetzen sollen, ist dieser Ansatz hingegen obsolet.
Wie aber - und dem soll in einem dritten Block nachgegangen werden - lässt sich Gedenken an getötete Soldaten in eine Erinnerungskultur einbetten, die vornehmlich auf die „Ehrung von Gewaltopfern“ abhebt, wenn es absehbar ist, dass es notwendig sein wird, wie zu Zeiten der Weimarer Republik tragische Helden zu ehren.

SoSe 2008, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Zur Ideengeschichte der „Politischen Romantik“
Der Begriff der „Politischen Romantik“ ist im deutschen Sprachraum unmittelbar mit Carl Schmitts gleichnamigem Buchtitel von 1919 verknüpft. Darüber hinaus evoziert der Topos der „Romantik“ allerdings eine geistesgeschichtliche Landschaft, deren Vertreter zunächst von den universalistischen Ideen der französischen Revolution und der französischen Romantik inspiriert waren. Doch spätestens mit den napoleonischen Befreiungskriegen schlägt die Stunde einer politischen Romantik, die aus Anhängern Napoleons und Frankreichs erbitterte nationalistische Renegaten werden lässt. Adam Müller, der große Protagonist einer deutschen Gesellschaftsromantik, die dem Gesellschaftsvertrag die Überzeugung entgegenstellt, Staatsverfassung und Gesellschaftsordnung seien als ein organisch gewachsenes Ganzes zu begreifen, wird einer der wichtigsten Ideengeber Schmitts werden, der ihm die Denker der katholischen Gegenrevolution - de Maistre, Bonald und Donoso Cortés - zur Seite stellt. Das Seminar wird dieses breit verzweigte Ideengeflecht, an dem auch Ernst Jünger, Martin Heidegger und Walter Benjamin partizipierten, anhand ausgewählter Texte besichtigen und die bis in die unmittelbare Gegenwart reichende Wirkungsgeschichte in einem Anschluss-Seminar weiter verfolgen: „Von der 'Stählernden Romantik' zum 'frozen knowlege'“.

SoSe 2008, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft (zusammen mit Andreas Kellner)
Politische Philosophien im Kontext des Nationalsozialismus (II. Teil)
Mit dem Übergang zur Berliner Republik hat die NS-Vergangenheit an integrativer Kraft verloren. An die Stelle eines oftmals moralförmigen „Nie wieder“, dessen Gegenbild die revisionistische Historisierung bildete, ist zumindest medial eine vielstimmige Vermittlung getreten: Sie reicht vom Panoptikum des Grauens, über ein abgründiges Bunkerspiel bis zu entmoralisierender Kolportage und hat in dem „Valkyrie“-Projekt, dessen Heros - Stauffenberg - als moralischer Sieger eines „geheimen Deutschlands“ medial als Identifikationsfigur kanonisiert wird, einen vorläufigen Abschluss gefunden.
Wie lässt sich diese Bestandsaufnahme in einen politiktheoretischen Kontext übersetzen? Der erste Teil des Seminars hat das damalige Feld eines „politischen Philosophierens“ rekonstruiert, für das es keine, heutiger Politikwissenschaft vergleichbaren akademischen Institutionen gab. Einer der Schwerpunkte lag dabei auf der Frage, wie die neuen und alten Eliten bereits in „Weimar“ virulent gewordene Problemlagen in den NS transformierten und so zu „lösen“ versuchten.
Im zweiten Seminarteil wird es nach einer umfassenden Zusammenfassung des ersten Teils, die auch Neueinsteigern die Teilnahme ermöglichen soll, unter dem Stichwort Rezeption darum gehen, nachzuzeichnen, über welche Transformationen die damaligen Themen und Problemlagen im „Heute“ angekommen sind - sei es in der modernen Institutionenlehre, oder im postmodernen Diskurs.
Für Neueinsteiger stehen die digitalisierten Texte des ersten Seminars zur Verfügung und auch für den zweiten Teil des Seminars wird die Bereitschaft zu intensiver Textlektüre und aktiver Mitarbeit gewünscht.

WS 2007/08, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Das Historismus-Problem der protestantischen Theologie im Kontext der Entstehung der „Wissenschaft des Judentums“
Für die protestantische Theologie wurde der „Historismus“ spätestens mit Martin Kählers Vortrag „Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus“ (1892) als Frage nach dem Glaubensgrund angesichts einer alles relativierenden Geschichte zum Problem. Die anschließenden Diskussionen hielten einerseits apologetisch am „Überhistorischen“ fest, entzauberten andererseits jedoch permanent dessen dogmatischen Geltungsanspruch und setzten so eine innertheologische Ambivalenz frei, die sich nicht zuletzt im Phantasma eines fundamentalen Gegensatzes zwischen Judentum und Christentum niederschlug, dessen eliminatorische Seite der Holocaust realisieren sollte.
Wenn Walter Benjamin 1940 zum „Historismus“ notiert: „Vergangenes historisch artikulieren heißt nicht, es erkennen ´wie es denn eigentlich gewesen ist´, [sondern sich] einer Erinnerung bemächtigen, wie sie im Augenblick einer Gefahr aufblitzt“, dann spricht mit ihm auch eine Stimme der „Wissenschaft des Judentums“, die mit der 1942 erfolgten Schließung der Berliner Hochschule vorläufig verstummen sollte.
Das Seminarprogramm wird zweifach orientiert sein: Einmal soll es darum gehen, die verschiedenen Dimensionen des Historismus-Problems zu erarbeiten, zum anderen darum, die Herausforderung aufzunehmen, die eine „Wissenschaft des Judentums“ nicht zuletzt auch für die gegenwärtigen innertheologischen Debatten zum „Historismus“ hinterlassen hat.

WS 2007/08 FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Max Weber: Politische Mobilisierung in Anschluss an Marx und Nietzsche
Max Webers macht- und herrschaftstheoretische Analysen gehören zum festen Bestand politischer Theoriebildung, deren bis in die unmittelbare Gegenwart reichende Anschlussfähigkeit sich auch einer umfangreichen Rezeption der Arbeiten von Marx und Nietzsche verdankt.
Die Intention des Seminars wird darin bestehen, die politiktheoretischen Aspekte des Weberschen Denkens auf zweifacher Basis herauszuarbeiten: Einmal anhand seiner wichtigen explizit politischen Texte, die ihn frühzeitig als politischen Modernisierer im Interesse deutscher Großmachtpolitik zeigen, zum anderen auf dem Hintergrund seiner erkenntnistheoretischen und religionssoziologischen Problemstellungen, die sich in Begriffen wie „Wertfreiheit“, „Idealtypus“, oder „Objektivität“ evozieren lassen und die - so die These des Seminars - in der hier erfolgten Auseinandersetzung mit Marx und Nietzsche immer auch im Dienste politischer Mobilisierung stehen.

WS 2007/08 FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft (zusammen mit Andreas Kellner)
Politische Philosophien im Kontext des Nationalsozialismus (Teil I)
Auch wenn die NS-Vergangenheit medial immer noch präsent ist, mit dem Übergang zur Berliner Republik hat sie an integrativer Kraft verloren. An die Stelle eines oftmals moralförmigen „Nie wieder“, dessen Gegenbild die revisionistische Historisierung bildete, ist zumindest medial eine vielstimmige Vermittlung getreten, die vom Panoptikum des Grauens, über ein abgründiges Bunkerspiel bis zu entmoralisierender Kolportage reicht.
Wie lässt sich diese vorläufige Bestandsaufnahme in einen politiktheoretischen Kontext übersetzen? Das über zwei Semester angelegte Seminar wird um zwei Hauptschwerpunkte gruppiert sein: Einerseits soll es darum gehen, das damalige Feld „politischen Philosophierens“, für das es keine, heutiger Politikwissenschaft vergleichbaren akademischen Institutionen gab, anhand der Fächer zu rekonstruieren, die sich zum „Politischen“ berufen fühlten - allen voran die Philosophie. Dabei sollen nicht nur die „großen“ Namen abgearbeitet werden, sondern es geht darum, aufzuzeigen, wie auch sog. Nazis - Alfred Baeumler, Ernst Krieck oder Erich Rothacker - an Themen partizipierten, die den Nazismus überdauerten. Im zweiten Schwerpunkt wird es unter dem Stichwort Rezeption darum gehen, nachzuzeichnen, über welche Transformationen diese Themen im „Heute“ angekommen sind - sei es in der modernen Institutionenlehre, oder im postmodernen Diskurs.
Ein beide Semester umfassender Seminarplan wird zu Beginn des Seminars vorgestellt werden; eine Teilnahme an beiden Seminarblöcken ist nicht zwingend. Allerdings wird in jedem Fall die Bereitschaft zu intensiver Textlektüre und aktiver Mitarbeit gewünscht.

WS 2007/08 FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie HU-Berlin, Institut für deutsche Literatur; Transzdisziplinäres SE (zusammen mit Birgit Dahlke)
Pathologien der Moderne. Modernisierungsängste und Verunsicherungen des männlichen Vernunftsubjekts am Beginn des 20. Jahrhunderts
Max Weber entwirft für die Moderne ein zwiespältiges Panorama: Als Prozess universaler Rationalisierung bleibt sie der menschlichen Verfügung weitgehend entzogen, in ihr „stahlhartes Gehäuse“ haben sich die Subjekte dennoch qua rationaler Lebensführung einzugliedern. Weber hat die innere Zwanghaftigkeit des am bloßen Selbstzweck - etwa des Gelderwerbs - orientierten Typs Mann nicht nur theoretisiert, sondern auch persönlich durchlitten. Ein ausgeprägtes Krisenbewusstsein insbesondere unter männlichen Intellektuellen lassen auch literarische Texte etwa von Robert Musil, Thomas Mann, Stefan George, Hugo von Hofmannsthal oder Walter Benjamin erkennen. In dem transdisziplinären Seminar wird die Lektüre ausgewählter wissenschaftstheoretischer Schriften Webers mit der Analyse literarischer Texte verbunden, um die mit dem Modernisierungsschub um 1900 einhergehende Verunsicherung des männlichen Vernunftsubjekts zu erforschen.

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2006/07

SoSe 2007, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Aristotelische „Freundschaft“ und platonischer „Eros“ - Eine gendertheoretische Einführung in die Ideengeschichte politischer Philosophie
In der „Nikomachischen Ethik“ nimmt kein Thema einen so großen Raum ein wie das der „Freundschaft“, das sich somit von dem Denken eines Hobbes abhebt, der den Menschen als den Wolf des Menschen bestimmte. Obwohl die aristotelische Auffassung vom Menschen im 20. Jahrhundert an Bedeutung gewinnt, ist es lediglich „der Mann, der auf der Höhe seiner Entwicklung fähig ist zum bios theoretikos“, der die „Freundschaft“ präsentiert, wie es etwa bei Eric Voegelin heist. Von Frauen ist nicht die Rede.
Wenig anders verhält es sich mit dem „Eros“, einem anderen Modell zur Begründung von Gesellschaftlichkeit. Platon lässt im „Symposion“ Männer beieinanderliegen; sie tauschen Zärtlichkeit aus, trinken, speisen, hören Musik und organisieren ihren Diskurs über den Eros als edlen Wettstreit. Mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist der edle Wettstreit zur Vorlage viriler Selbstermächtigung geworden, die in Frauen nur noch defiziente Wesen erkennt. Die Grundkoordinaten hierfür hatte bereits Nietzsche im Namen einer „Umdrehung des Platonismus“ abgesteckt.
Die gendertheoretische Fragestellung des Seminar nach den konstituierenden Momenten von „Geschlecht“ wird sich also nicht nur auf ideengeschichtlichen Voraussetzungen des politischen Denkens im 20. Jahrhunderts richten, sondern anhand ausgewählter Beispiele auch der Rezeptionsgeschichte der antiken „Ideenwelt“ nachgehen. Eine hierfür leitende Fragestellung könnte beispielsweise lauten, wie eine spezifische Blindheit für geschlechtliche Ungleichheit mit der Transformation der „Antike“ in die Herrschaftsprojekte der Neuzeit verbunden worden ist.

SoSe 2007, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
„De servo arbitrio“ - Wie frei ist der Mensch?
Das Problem der „Willensfreiheit“, das Luthers unbarmherzige Polemik von 1525 gegen Erasmus bestimmte, scheint gegenwärtig vor allem auf zwei gesellschaftlichen Feldern präsent zu sein: Es präfiguriert die Frage nach der eugenisch oder neurobiologisch verfassten Zukunft des Menschen und fungiert in Gestalt der Klage über mangelnde mentale Antriebskräfte bei den sogenannten Unterschichten als Appendix einer Debatte über gesellschaftliche Problemzonen.
Nietzsche, in dessen willensmetaphysischen Dunst sich die letztere Debatte bewegt, konnte noch in gut Lutherischer Tradition formulieren, dass „unsere Moralität und deren Ereignisse nicht mit unserem bewussten Willen sich decken“. Dennoch ist auch bei ihm getilgt, was heute wieder von Luther zu lernen wäre: dass menschliche Freiheit mehr und anderes ist als abstrakte Willensfreiheit, dass sie eines interpretierenden Rahmens, einer Freiheit „wozu“ bedarf.
Im Seminar soll zunächst Luthers Provokation im Streit mit Erasmus erinnert werden, um dann die neurobiologische Herausforderung paradigmatisch an einem konkreten, geschlechtsspezifischen empirischen Gegenstand aufzusuchen, dem „Präventionsprojekt gegen sexuellen Kindesmissbrauch“ an der Charité Berlin.

WS 2006/07, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Protestantische Ethik in Anschluss an Max Weber
Webers „Protestantische Ethik“ deren hundertste Wiederkehr ihrer Publikation sich 2004 bzw. 2005 jährte, liefert nicht nur eine prägnante Selbstbeschreibung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft einschließlich ihrer
historischen Rekonstruktion, sie impliziert auch den inzwischen anachronistisch anmutenden Versuch, über eine einheitsstiftende Lebensführung steuernd in die Gesellschaft einzugreifen.
Das Seminar wird sich dieser Thematik in drei Schwerpunkten annähern: Ein erster wird verfolgen, wie die zentralen Thesen Webers zum Zusammenhang von Protestantismus und Moderne im Biotop des kulturprotestantischen Milieus, aber auch im Kontext der Amerikareise Webers von 1904 entstanden sind. Der zweite Schwerpunkt wird sich mit Webers Interpretation der hebräischen Prophetie befassen, wobei den roten Faden Webers Vorhaben bildet, die innerweltlichen Folgen der auf ausserweltliche Ziele gerichteten Religion aufzuzeigen. Die von Weber beschriebenen Phänomene wie die Theodizee bei Deuterojesaja und die rein religiösen Beweggründe der Propheten werden von ihm immer auf die Frage nach einer Theorie der Moderne bezogen und finden wie die Diskussion mit Werner Sombart zum sog. jüdischen Paria-Kapitalismus dann Aufnahme in die Buchfassung der „Protestantischen Ethik“ von 1920. Der dritte Schwerpunkt rekurriert auf Webers Einsicht in die unbeabsichtigten Folgen eines absichtsvollen religiösen Handelns, die er als Paradoxie der Wirkung gegenüber dem Wollen beschreibt - eine Einsicht, die eine gegenwärtige auf „Wertevermittlung“ fixierte öffentliche Diskussion vor überzogenen Ansprüchen zu warnen vermag.

WS 2006/07 FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Leo Strauss (Teil II) - „Konservativ revolutionäres“ Denken im Schatten des Holocaust
Das Stichwort „konservativ-revolutionär“ verweist auf einen Ideentransfer, der sich über Leo Strauss vom Old Germany der 20er Jahrer zur gegenwärtig einflussreichsten amerikanischen Denkschule, den „Neocons“, vollzogen hat.
In der Verbindung mit dem Begriff „Holocaust“ soll der Frage nachgegangen werden, welche spezifischen Überformungen Strauss an diesem Denken nach 1945 vorgenommen hat und die dann beispielsweise in der 1948 erschienenen Schrift „On Tyranny“ mit den daran anschließenden Debatten mit Eric Voegelin oder mit Alexandre Kojève über das „Ende der Geschichte“ sichtbar geworden sind. Damit ist die These postuliert, dass die von Strauss entworfenen Denkfiguren nicht unähnlich jenen der „Posthistoire“ sind, die Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts von konservativen Intellektuellen wie Heidegger, Schmitt, Jünger und Gehlen auf linke übersprangen.
Das Seminar selbst wird einen thematisch dreiteiligen Aufbau haben: An eine Zusammenfassung des Leo Strauss Seminars vom SoSe 2006, dessen Schwerpunkt vor allem auf der theologisch-politischen Problematik lag, schließen drei weitere Blöcke an: Der erste rekurriert auf Strauss's Adaptionen der „Höhlenmetapher“ und der Historismusproblematik als Hintergrund von dem her er sich auf „Totalitarismus“, „Holocaust“ und „Posthistoire“ bezog - was im zweiten Block thematisiert werden soll -, während der letzte Block zusammenfassend nach den spezifischen Vergesellschaftungsformen der „unpolitischen“ politischen Philosophie von Strauss fragen wird, wie sie nicht zuletzt auch in der US-Administration wirkmächtig geworden sind.
Neueinsteigern stehen die in Blackboard abgelegten Texte und Seminarprotokolle des vergangenen Semesters zur Verfügung.

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2005/06

SoSe 2006, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Eros und Agape
„Neopaganismus“ lautet eine der polemischen Formeln mit denen protestantische Theologen des 20. Jahrhunderts auf das Phänomen des „Eros“, dem weltlichen Gegenspieler christlicher „Agape“ reagieren. Implizit werden damit auch alle theologischen Versuche aufgekündigt, die erotische Liebe in der Nachfolge des romantischen Liebeskonzepts zu denken und sie somit affirmativ auf eine biblische Liebestradition zu beziehen, die sich als Selbstoffenbarung des Absoluten versteht.
Im Seminar soll es neben einer Besichtigung der wichtigsten Stränge dieser Diskussion um die Frage nach der Stärke dieser Polemik gehen: Denn eingebettet ist das romantische Liebesmodell in ein Subjetivitätskonzept, das männlich ist, das das Weibliche bestenfalls als Projektionsfläche eines männlichen Imaginären auftreten lässt und Geschlechterdifferenz auf Basis jeweiliger Besonderheit zu denken, ausschliesst.
An Karl Barth beispielsweise - der Denker der „Differenz“ - ist somit die Frage zu richten, ob er Vorschläge für ein Liebesmodell bereit hält, das die Begrenztheit obiger Subjektivität übersteigt.

SoSe 2006, FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Leo Strauss (Teil I): Politische Theorie im „Bannkreis des theologisch-politischen Dilemmas“
Spätestens seit dem zweiten Golf-Krieg ist Leo Strauss auch in den öffentlichen Debatten Deutschlands zu einem - wenn auch hoch umstrittenen - „Begriff“ geworden. 1932 verließ er als Rockefeller-Stipendiat Deutschland, siedelte 1938 in die USA über und begründete dort mit den „Straussians“ eine politische Denkschule, die seit der Reagan-Ära in den US-Adminstrationen wirksam ist.
Innerhalb der politischen Theoriebildung ist Strauss der sog. normativ-ontologischen Schule zuzurechnen, sein auf diesem Ansatz basierender Versuch, Carl Schmitt im Anti-Liberalismus zu übertreffen, wirkt heute verstörend, während das an Nietzsche kultivierte Lento des Lesens antiker Texte zwar den ästhetischen Reiz eines antiquarischen Gegenstandes hat, keinesfalls aber die bis in die jüngste Gegenwart reichende Wirkungsgeschichte zu erklären vermag.
Das über mehrere Teile angelegte Seminar soll einen Einblick in die wichtigsten Denkbewegungen von Strauss geben, grundlegende Theoreme der Politischen Theorie behandeln und der aus Rezeption resultierenden Wirksamkeit nachgehen.
Teil I des Seminars wird sich den jüdischen Wurzeln im Denken von Strauss zuwenden und - wie der Titel ankündigt - sich dem „theologisch-politischen“ Problem stellen, von dem Strauss noch Mitte der 60er Jahre sagen kann, es sei „das“ Thema seiner Untersuchungen geblieben. Der zweite Schwerpunkt soll auf der Auseinandersetzung mit Carl Schmitt zu Beginn der 30er Jahre liegen.
Literaturempfehlung: Meier, Heinrich: Das theologisch-politische Problem: zum Thema von Leo Strauss, Stuttgart u.a. 2003.

WS 2005/06, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Geschichte – „Urgeschichte“ – „Urchristentum“
Zu den erregendsten theologischen Problemen gehört zweifellos die Frage nach dem Verhältnis von „frühem Christentum“ und heutiger Kirche. Gibt es also so etwas wie ein „Ursprung“, dem ein „Verfall“ folgte, oder – so eine anderes Paradigma – ist das Verhältnis dadurch gekennzeichnet, dass der „Ursprung“ in den nachfolgenden Epochen „aufgehoben“ wurde?
Das Seminar will dieser Frage auf drei Feldern nachgehen:
Einmal sollen die konkreten Paradigmen besichtigt werden, zweitens soll die Frage an einen konkreten historischen Gegenstand herangetragen werden – das Eisenacher „Institut zur Erforschung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“ (gegründet 1939). Im letzten Punkt schließlich wird am Beispiel des Neutestamentler Walter Grundmann interessieren, wie die Ausgangsfrage in ein hermeneutisch-exegetisches Programm der „Entjudung“ umgeformt wurde.
Literatur: Peter von der Osten-Sacken (Hg.), Das mißbrauchte Evangelium. Studien zu Theologie und Praxis der Thüringer Deutschen Christen, Berlin 2002.

WS 2005/06 FU-Berlin, Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften, Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft
Heidegger als politischer Philosoph – Etappen der Auseinandersetzung
In der politischen Theorie sind Heideggers Denkfiguren nach wie vor präsent, sei es über seine „Kinder“ (Richard Wolin) – gemeint sind Schüler wie Hannah Arendt, Karl Löwith, Hans Jonas oder Herbert Marcuse –, sei es als französischer Re-Import. Daneben gibt es eine mehr als dreißigjährige Auseinandersetzung um den „Fall Heidegger“, um sein politisches Engagement während des NS-Zeit.
Das Seminar setzt bei der provokanten These vom „Heidegger-Syndrom“ an, die die Auseinandersetzung mit dem „Fall Heidegger“ zum Paradigma eines verfehlten Umgangs mit der NS-Vergangenheit seit den 60er Jahren erklärt. Somit soll es um zweierlei gehen, einmal darum, die wichtigsten Etappen dieser als verfehlt apostrophierten Auseinandersetzung mit dem „Fall“ zu besichtigen, dabei jedoch die zentralen Denkfiguren einer Philosophie, die sich von ihrem Selbstverständnis her als „unpolitisch“ verstand, als Macht-, Herrschafts- bzw. Ideologiekonzeptionen zu lesen. Kenntnisse der Philosophie Heideggers werden nicht vorausgesetzt, allerdings die Bereitschaft zu intensiver Textlektüre.
Literaturempfehlung: Dunja Melcic, Ausharrendes Fragen, beständiges Scheitern – Grundlegendes schaffen. In: Kommune 1/2005, 70ff.

WS 2004/05, HU-Berlin, Studium Generale, Geschlechterstudien
Alles „Anerkennung“? – Interdependenzen eines Begriffs
Sexualtherapeutische Ansätze sehen unter anderem im Rückgriff auf sog. menschliche Grundbedürfnisse wie „Geborgenheit“, „Nähe“ und „Anerkennung“ einen Schlüssel zum Erfolg. Judith Butler, die vielleicht als das Synonym für gender studies gelten kann, sagt von sich, dass ihr „gesamtes Werk (...) im Bannkreis eines gewissen Sets von Hegelianischen Fragen“ geblieben sei. So steht am Beginn ihrer akademischen Laufbahn in der Tat eine Dissertation über Hegel, deren subjekt-theoretische Problematik sie in „Psyche der Macht“ wieder aufnimmt, wobei der Figur der „Anerkennung“ eine zentrale Rolle zukommt.
Die naheliegende Fragestellung des Seminars wird somit die nach der gemeinsamen Schnittmenge von zwei höchst disparaten Wissenschaftsbereichen sein.
Literaturempfehlung: Axel Honneth, Anerkennung als Ideologie, in: Westend. Neue Zeitschrift für Sozialforschung 1.Jg., 2004, Heft 1, 51ff.

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2004/05

SoSe 2005, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Das Abendmahl - Erkundungen auf einem verminten Gelände
Weit stärker als das sokratische Symposium ist das christliche Abendmahl zu einem wirkmächtigen Kultursymbol der westlichen Welt geworden. Kulturgeschichtliche Vertrautheit und vorschnelle Rationalisierungen verdecken aber auch, dass dieses zentrale liturgische Element des christlichen Glaubens u.a. auf einen symbolischen theophagen Akt rekurriert: „Nehmt und esst; das ist mein Leib“ (Mt. 26) – so lautet ja die ursprüngliche Schlüsselszene des „letzten Mahls“.
Das Seminar stellt sich die Aufgabe, die wichtigsten inner- wie interkonfessionellen Streitpunkte im Abendmahlsverständnis nachzuzeichnen und darüber hinaus den ethischen, religiösen, opfertheoretischen, rituellen und alltagspraktischen Bestandteilen nachzugehen, die dem Abendmahl eine Vielzahl heterogener Sinnbezüge zuweisen. Um nur einen Aspekt zu nennen: Nahezu zeitgleich zum ökomenischen Kirchentag vom Sommer 2003, den auch ein Streit um das Abendmahl bestimmte, wurde der Fall des „Kannibalen von Rotenburg“ bekannt, dessen paraphile Symptombildungen sich auch im Horizont eines strittigen Abendmahlsverständnisses deuten lassen.

SoSe 2005, HU-Berlin, Studium Generale, Geschlechterstudien
Biographien jüdischer Sexualwissenschaftler (Teil II)
Die Entstehung der Sexualwissenschaft ist mit Namen wie Iwan Bloch, Magnus Hirschfeld, Max Marcuse oder Albert Moll verbunden, deren Träger Juden waren. Die Frage warum dies so war, führt u.a. zu den unterschiedlichen Sexualvorstellungen der christlichen und jüdische Tradition.
Welches Gewicht diesen Differenzen bei der Integration in den deutschen Wissenschaftsbetrieb zukam, soll anhand ausgewählter Biographien im Kontext einer kontrovers geführten kulturwissenschaftlichen Debatte zur „Wissenschaft des Judentums“ untersucht werden.
Das Seminar setzt die im letzten Semester begonnenen Diskussionen fort.

WS 2004/05, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Die Paulus und seine Theologie – unterwegs zu einem jüdisch- christlichen Dialog?
Im zurückliegenden 20. Jahrhundert war die Diskussion um die paulinische Theologie davon gekennzeichnet, dass neben den klassischen Themen („Gesetz und Evangelium“, „Kirche und Obrigkeit“) durch Karl Barth neue Perspektiven wie „Revolution Gottes und Weltrevolution“ eröffnet wurden. Andererseits traten jüdische Stimmen in die Debatte ein – Leo Baeck, Ben Chorin, Jacob Taubes, Daniel Boyarin –, die den „Juden Paulus“ ins Zentrum rückten, damit aber die bis dahin gültige Deutung von seinem Bruch mit dem Judentum in Frage stellten.
Im Seminar wird es um eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Paulusstudien des 20. Jahrhunderts gehen, die mit einer mehrfachen Fragestellung verbunden ist: Wohin führen die Diskussionslinien, inwieweit re-integrieren sie Paulus in das Judentum und wie bestimmen diese Linien die theologischen und nicht-theologischen Pauluslektüren, die in das 21. Jahrhundert hineinreichen?
Literatureinstieg: Einen Einblick in die gegenwärtige Rezeption geben einmal der „Epilog“ von Udo Schnelle, Paulus. Leben und Denken (unter www.degruyter.de) und die Website der Society of Biblical Literature, besonders: www.vanderbilt.edu/AnS/religious_studies/SBL2002/home2002.htm.

WS 2004/05, HU-Berlin, Studium Generale, Geschlechterstudien
Biographien jüdischer Sexualwissenschaftler (Teil I)
Die Entstehung der Sexualwissenschaft ist mit Namen wie Iwan Bloch, Magnus Hirschfeld, Max Marcuse oder Albert Moll verbunden, deren Träger Juden waren. Die Frage warum dies so war, führt u.a. zu den unterschiedlichen Sexualvorstellungen der christlichen und jüdische Tradition.
Welches Gewicht diesen Differenzen bei der Integration in den deutschen Wissenschaftsbetrieb zukam, soll anhand ausgewählter Biographien im Kontext einer kontrovers geführten kulturwissenschaftlichen Debatte zur „Wissenschaft des Judentums“ untersucht werden.
Das Seminar richtet sich an Studierende verschiedenster Fächerkombinationen, die bereit sind, sich über mehr als ein Semester in einen komplexen Gegenstand einzuarbeiten.
Literatur zur Einführung: Christina von Braun, Ist die Sexualwissenschaft eine „jüdische Wissenschaft“? in: Zeitschrift für Sexualforschung 2001, 14: 1-17; Christian Wiese, Wissenschaft des Judentums und protestantische Theologie im Wilhelminischen Deutschland. Ein Schrei ins Leere?, Tübingen 1999.

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2003/04

SoSe 2004, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Die Bedeutung der Religionskritik für die Theologie
Das Terrain, auf dem über Religion verhandelt wird, ist unübersichtlich: Einerseits Fragen, die der 11. September 2001 hinterlassen hat, Kopftuchstreit, LER und Kruzifixurteil. Andererseits herrscht eine freundliche Beliebigkeit subjektiven religiösen Meinens und Glaubens, die aller Kritik entzogen ist, vor allem wenn diese als rationalistische Illusion einer „wissenschaftlichen Weltanschauung“ auftritt.
Die Hauptthese des Seminars lautet daher, dass Kritik der Religion ein notwendiges und ureigenstes Anliegen von Theologie ist, ein Anliegen als dessen Erben sich schon Religionskritiker wie Karl Marx erwiesen haben: Seine Beschreibung der Religion als „Seufzer der bedrängten Kreatur“ nimmt nicht nur die Paulinische Figur aus Römer 8 auf – dass alles „Geschaffene insgesamt seufzt und sich schmerzlich ängstigt“ –, seine Forderung, alle knechtenden „Verhältnisse umzuwerfen“ partizipiert auch am bislang radikalsten Bild menschlicher Hoffnung – der leiblichen Auferstehung.
Das Seminar ist als eine Gratwanderung konzipiert: Hier – menschliche religiöse Überzeugungen, die beispielsweise Leben in einer säkular unbefriedigten Welt kompensieren können, da – eine Wirklichkeit Gottes, auf die wir nie einen direkten Zugriff haben. Neben einer Einführung in der Themenkatalog der Religionskritik wird es somit um die Frage nach theologischen Denkfiguren gehen, die durch eine „weltliche“ Religionskritik gegangen sind.
Lektüre: Weinrich, Michael (Hrsg.): Religionskritik in der Neuzeit: Philosophische, soziologische und psychologische Texte. Gütersloh 1985.

SoSe 2004, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Theologische Ethik in Anschluss an Carl Schmitts Begriff der „Politischen Theologie“
Auch Für eine theologische Ethik des Politischen ist die Auseinandersetzung mit Carl Schmitts Theorem der „Politischen Theologie“ von zentraler Bedeutung. Denn die von Schmitt Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts formulierte These, alle zentralen staatsrechtlichen Begriffe der Moderne seien säkularisierte theologische Begriffe, theologisiert die politische Sphäre in spezifischer Weise: Sie bleibt als ein konstitutiv gewaltsames Arcanum des „Ausnahmezustandes“ jeglicher demokratischer Kontrolle entzogen.
Das Seminar stellt sich folgende Aufgaben: (1) die Genese dieses Begriffs bei Schmitt zu rekonstruieren,
(2) dem inhärenten Antijudaismus, den Schmittschen Männlichkeitskonstruktionen und der Kritik an Schmitts alttestamentlicher Erbe-Rezeption – wie sie etwa von Jan Assmann am vorgetragen wird – nachzugehen,
(3) auf Basis der wichtigsten Axiome ethischer Reflexion in der Theologie, die neuere Rezeption des Schmittschen Begriffs (u.a. bei Johann Baptist Metz und Rolf Rendtorff) zu verfolgen,
(4) jenen Echos auf Schmitt nachzuforschen, die noch in der Rede von der „postsäkularen Gesellschaft„ (Jürgen Habermas) und vom „Homo sacer“ (Giorgio Agamben) zu vernehmen sind..
Lektüre: Schmitt, C., Politische Theologie: vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität (1922). 7. Aufl. Berlin 1996.

SoSe 2004, HU-Berlin, Studium Generale, Geschlechterstudien
Hermeneutik des Begehrens (Teil II) (Zusammen mit Sophie Wennerscheid)
Auch Teil II des Seminars ist um eine Passage aus der Rechtfertigungslehre des Paulus zentriert: „Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durch das Gesetz. Denn ich wußte nichts von der Lust, hätte das Gesetz nicht gesagt“ (2. Mose 20,17): „Laß dich nicht gelüsten! Es nahm aber die Sünde Anlaß am Gebot und erregte in mir jegliche Lust; denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot.“ (Röm 7,7f)
Leitende Frage im I. Teil des Seminars war, wie sich vom „ungeheuren Echo der christlichen Gründung“ (Alain Badiou) her, heutige Formen des „Begehrens“, unter denen das sexuelle nur einen Aspekt darstellt, denken lassen. Anders gefragt: Welche Perspektive eröffnet eine Subjektivität, die sich der „Gnade“ verdankt, auf die neuen Formen des Sexuellen – Self-sex, Self-gender, Thrills und Prothetisierungen – deren Komplementär die sich permanent wandelnden Produktions- und Regulationsformen bilden.
Dieser Ansatz wird im zweiten Teil des Seminars fortgeführt, allerdings unter stärker theoretisierenden Gesichtspunkten. Als Material dienen wiederum subjekttheoretische Modelle (u.a. aus der Romantik, der Neuen Sachlichkeit, aber auch von Butler, Foucault, Kierkegaard, Kristeva und Luhmann), die von „modernen“ und „klassischen“ Interpretationen Paulinischer Theologie her gegengelesen werden.
Eine Teilnahme am ersten Teil ist nicht erforderlich. Neueinsteigern wird es insofern leichtgemacht, weil es neben einer ausführlichen Wiederholung, einen ständigen Rückgriff auf das Material des I. Teils geben wird.

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WS 2003/04, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Vom theologischen Antijudaismus zur Theologie nach Auschwitz (Teil II)
Bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein ist theologisches Denken von einem strukturellen Antijudaismus gekennzeichnet, gibt es kaum eine Bibelstelle, „deren Auslegung nicht eine lange antijudaische Verseuchungsgeschichte hinter sich hat“ (Luise Schottroff). Nach 1945 kommt die Auseinandersetzung mit diesem Erbe und mit der Frage, nach der geistigen Mitverantwortung an den NS-Verbrechen gegenüber den Juden nur langsam in Gang. Denn anders als nach dem ersten Weltkrieg gibt es keinen radikalen Bruch mit der Theologie der Vorkriegszeit: Auschwitz wird mit einer Verzögerung von nahezu dreißig Jahren zum Thema der Theologie.
Im Seminar wird es darum gehen, diese Thematik unter vier Fragestellungen aufzunehmen: (1) Zu verstehen, was theologischer Antijudaismus und die „Judenfrage“ in Theologie und Philosophie meinen, (2) die Differenz zwischen jüdischer und christlicher Theologie nach Auschwitz zu erkunden, (3) nach den methodischen Zugängen zu fragen, mit denen dieses nach zu denken ist – u.a. in Rückgriff auf Leo Strauss und Walter Benjamin, um so (4) der Frage nachzugehen, was Theologie nach Auschwitz sein kann, wenn sie eines nicht sein darf: der Versuch, Auschwitz mit theologischem Denken einen „Sinn“ zu geben.
Das Seminar findet über zwei Semester hinweg statt. Ging es im Teil I (SoSe 03) vor allem um die Fragestellungen (1) und (2), so geht es jetzt im Teil II um die beiden anderen Fragestellungen, wobei Modifikationen möglich sind. Eine Teilnahme am ersten Teil ist nicht erforderlich.

WS 2003/4, HU-Berlin, Studium Generale, Geschlechterstudien
Hermeneutik des Begehrens (Teil I) (Zusammen mit Sophie Wennerscheid)
„Ist das Gesetz Sünde? Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht außer durch das Gesetz. Denn ich wußte nichts von der Lust, hätte das Gesetz nicht gesagt (2. Mose 20,17): 'Laß dich nicht gelüsten!' Es nahm aber die Sünde Anlaß am Gebot und erregte in mir jegliche Lust; denn ohne das Gesetz ist die Sünde tot.“ (Röm 7,7f)
Die Interpretationen, die der Brief des Paulus „An die Römer“ im 20. Jahrhundert erfahren hat, bilden die zurückliegenden Konflikte und Katastrophen ab. Darüber hinaus lässt sich eine Passage wie die oben zitierte auch in eine Subjekt-Erzählung einfügen, die nach dem Niedergang der transzendentalen Ausrichtung zunehmend in einem Diskurs über das Sexuelle aufgeht.
In dem über zwei Semester angelegten Seminar sollen Denkmodelle, die das „Begehren“ fokussieren (u.a. Kierkegaard, Foucault, Lacan, Luhmann und Butler), sowie sexual-therapeutische Ansätze diskutiert werden – allerdings auf der Folie „klassischer“ und „moderner“ Interpretationen Paulinischer Theologie: u.a. Luther, Barth, Baeck, Taubes, Boyarin und Badiou.

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2002/03

SoSe 2003, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Vom theologischen Antijudaismus zur Theologie nach Auschwitz (Teil I)
Bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein ist theologisches Denken von einem strukturellen Antijudaismus gekennzeichnet, gibt es kaum eine Bibelstelle, „deren Auslegung nicht eine lange antijudaische Verseuchungsgeschichte hinter sich hat“ (Luise Schottroff). Nach 1945 kommt die Auseinandersetzung mit diesem Erbe und mit der Frage, nach der geistigen Mitverantwortung an den NS-Verbrechen gegenüber den Juden nur langsam in Gang. Denn anders als nach dem ersten Weltkrieg gibt es keinen radikalen Bruch mit der Theologie der Vorkriegszeit: Auschwitz wird mit einer Verzögerung von nahezu dreißig Jahren zum Thema der Theologie.
Im Seminar wird es darum gehen, diese Thematik unter vier Fragestellungen aufzunehmen: (1) Zu verstehen, was theologischer Antijudaismus und die „Judenfrage“ in Theologie und Philosophie meinen, (2) die Differenz zwischen jüdischer und christlicher Theologie nach Auschwitz zu erkunden, (3) nach den methodischen Zugängen zu fragen, mit denen dieses nachzudenken ist – u.a. in Rückgriff auf Leo Strauss und Walter Benjamin, um so (4) der Frage nachzugehen, was Theologie nach Auschwitz sein kann, wenn sie eines nicht sein darf: der Versuch, Auschwitz mit theologischem Denken einen „Sinn“ zu geben.
Das Seminar findet über zwei Semester hinweg statt. Nach einem Gesamtüberblick wird es im ersten Teil vor allem um die Fragestellungen (1) und (2) gehen.

SoSe 2003, HU-Berlin, Inst. f. Sexualwissenschaft und Sexualmedizin,
Der Schleier – Leitbild der Gegenaufklärung und Metapher für Geschlechterdifferenz
Der Schleier gilt als Synonym für Priestertrug und Obscurantismus schlechthin. So dichtete dann auch am Ende des 18. Jahrhunderts der Philosoph August Wilhelm Schlegel über den Theologen Friedrich Schleiermacher: „Der nackten Wahrheit Schleier machen, / Ist kluger Theologen Amt, / Und Schleiermacher sind bei so bewandten Sachen / Die Meister der Dogmatik insgesamt“
Gegen den hier auf den Punkt gebrachten aufklärerischen Generalverdacht des „Verschleierns“ steht der romantische Erkenntnisanspruch – etwa der eines Novalis: Es ist gerade der Akt des Verhüllens, der entbirgt. Oder, um im obigen Bild zu bleiben: Die „nackte Wahrheit“ entfaltet ihren erotischen Reiz – ihre eigentliche Wahrheit – erst in der Verhüllung.
Das Seminar nimmt dieses Vexierbild von „Ver- und Enthüllen“ auf und verfolgt es weiter. Denn der Schleier steht nicht nur für eine paradoxe Erkenntnisbewegung, er markiert auch Differenz: Die zwischen Eingeweihten und Glaubenden, Gott und Mensch und nicht zuletzt auch die Differenz der Geschlechter.
Symbolhaft fallen Erkenntnis und Geschlechterdifferenz vielleicht in einem Typus von Kultmalen zusammen, die den Beginn der abendländischen Erkenntnisbewegung (der Hermeneutik) markieren, den Hermen. Es gibt sie in beiden Geschlechtern – verhüllt und unverhüllt.

WS 2002/03, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Theologie nach 1945
1945 gelten die Kirchen den Alliierten als vom Nationalsozialismus unberührte Organisationen. Ihnen fällt zunächst auch die Aufgabe zu, den gesellschaftlichen Zusammenhalt „moralisch“ zu wahren. Doch schon im Oktober 45 legt der Rat der EKD das „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ ab, dem 1947 das „Darmstädter Wort“ folgt. Innerhalb der evangelischen Kirche gelten beide Stellungnahmen als umstritten. Dies sind nur zwei Facetten der Zerreißproben, denen die Kirchen analog zur übrigen Gesellschaft ausgesetzt waren.
Vor diesem Hintergrund soll es im Seminar allerdings primär darum gehen, anhand ausgewählter Texte einerseits nach Kontinuitäten und Brüchen in der damaligen Theologie zu fragen, andererseits zu untersuchen wie, in welchen theologischen Modellen die unmittelbare Vergangenheit, die Kriegschuld, die Frage der Entnazifizierung, aber auch die einsetzende Restauration, die gesellschaftliche Modernisierung und nicht zuletzt auch „Auschwitz“ thematisiert oder beschwiegen wurden.
Das Seminar setzt die Veranstaltung zu „Deutsche Theologen 1933“ (WS 2001/02) und die zu Rudolf Bultmann (SoSe 2002) fort; beide Veranstaltungen sind aber keine Voraussetzung für eine Teilnahme.

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2001/02

SoSe 2002, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Mythos und Entmythologisierung: Rudolf Bultmann im zeitgeschichtlichen Kontext
Bultmanns Programm der Entmythologisierung gehört zu den erfolgreichsten theologischen Konzeptionen der Nachkriegszeit, doch die Entstehung reicht mit dem Vortrag „Neues Testament und Mythologie“ in das Jahr 1941 zurück. Ähnlich wie Heidegger, aber anders als Barth, bezieht sich Bultmann auf seine „Zeit“ nie in gesellschaftlicher oder politischer Begrifflichkeit, sondern immer in der Sprache theologischer und existenzialer Analytik. Hinzu kommt, dass Bultmann – von Ausnahmen abgesehen – unmittelbare Zeit-Bezüge immer geleugnet hat.
Doch was kann 1941 als Zeit-Bezug gelten? In Deutschland war die unausgesprochene Referenz für Bultmanns Text zweifellos Rosenbergs – Mythos des XX. Jahrhunderts –, jenseits des Atlantiks hatten Adorno und Horkheimer die Selbstzerstörung der Aufklärung aus der Unterwerfung der Natur analysiert, die bereits im „Mythos“ beginnt.
Wenn in dem Seminar nach dem diskursiven Geflecht, den Echo- und Resonanzverhältnissen mit denen Bultmanns Text in seine „Zeit“ eingelassen war, gefragt werden soll, so bewegt sich das Seminar auf einem weitgehend unerschlossenen Terrain, steht vor allem vor dem Problem, einen Sprachraum zu rekonstruieren, der weit mehr als heute für Zwischentöne und Anspielungen offen war.

WS 2001/02, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Deutsche Theologen 1933
Im Mittelpunkt des Seminars steht die Lektüre ausgewählter Texte Karl Barths, Rudolf Bultmanns, Friedrich Gogartens, Emanuel Hirschs u.a., die um das Jahr 1933 herum entstanden sind. Methodisch knüpft die Veranstaltung an das Seminar des letzten Semesters zur Hermeneutik an. (Die Teilnahme daran ist jedoch keine Voraussetzung) Es geht somit nicht nur um die Frage wie Theologen mit ihren spezifischen Denkmitteln den historischen Augenblick von 33 verarbeitet, bzw. abgebildet haben, sondern auch darum, welche Haltungen die in die Texte jeweils eingeschriebenen Hermeneutiken – bei Bultmann etwa mit der Rezeption der Heideggerschen Philosophie verbunden – evoziert haben: Haben sie Modelle bereitgestellt, mit denen sich der Gleichschaltung entgegengetreten ließ, haben sie Anpassungsbereitschaft, Opportunismus und Ambivalenz signalisiert oder gar zu freudigem Mittun aufgerufen.
Eine weiterführende Frage lautet zudem noch, ob die damaligen Subjektionsmodelle heute noch – also nach postmoderner Subjektkritik – Bestand haben.
Einstiegslektüre: Jan Rehmann, Kirchen im NS-Staat, Berlin 1986; Slavoj Zizek, The Ticklish Subjekt (etwa bis S. 69), London / New York 1999.

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2000/01

SoSe 2001, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Hermeneutik – eine Einführung
Hermeneutische Fähigkeiten – im engeren Sinne das Verstehen von überlieferten Texten – gehören zur Grundlage jedes geisteswissenschaftlichen Studiums. Im Seminar geht es darum, nach einem Blick auf die Entstehungsgeschichte des hermeneutischen Denkens verschiedene Ansätze biblischer Hermeneutik zu sichten, aber auch philosophische, psychologische, feministische und strukturalistische Modelle. Hintergrund dieser Bestandsaufnahme ist der Anspruch der Biowissenschaften die Buchstaben des menschlichen Urtextes zu entschlüsseln und zu deuten. Damit steht nicht nur der universalwissenschaftliche Anspruch der Hermeneutik in Frage, sondern ihre Existenzberechtigung als Erkenntnisform von Sinn und Bedeutung überhaupt.
Einstieg: Ben Vedder, Was ist Hermeneutik. Ein Weg von der Textdeutung zur Interpretation der Wirklichkeit, Stuttgart 2000.

WS 2000/01, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Theologische Ideologiekritik in Anschluss an Jacob Taubes
Die vier Paulus-Vorlesungen, die der Religionsphilosoph Jacob Taubes unmittelbar vor seinem Tod gehalten hat, werden als sein geistige Vermächtnis angesehen. Unter dem Titel „Die Politische Theologie des Paulus“ veröffentlicht, sind diese Vorlesungen von ihren theologischen Prämissen her, aber auch aufgrund der an Carl Schmitt angelehnten Terminologie umstritten – theologisch wie auch philosophisch.
Ausgehend von neueren Arbeiten zu Taubes, aber auch im Rückgriff auf Karl Barths „klassischen“ Römerbrief-Kommentar und den Ansätzen der feministischen Theologie geht es im Seminar um eine „Neu-Lektüre“ ausgewählter Taubes-Texte. Dahinter steht die Frage, welche Ausblicke auf Glaubens-, Denk- und Lebensformen der hier angelegte kritische Impuls einer „politischen Theologie“ heute bereit halten kann.
Literatur: Palmer, G.; v. Tippelskirch, D.C. [Hrsg.]: Torah - Nomos - Ius: abendländlicher Antinomismus und der Traum vom herrschaftsfreien Raum. Berlin 1999.

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1999/00

SoSe 2000, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Sexualethik als theologische Herausforderung
Die Entwicklung im Bereich der Biotechnologien verändert unsere Vorstellungen von Geschlecht, Fortpflanzung und Elternschaft. Schon heute divergieren genetische, biologische und soziale Elternverhältnisse, und auch Geschlecht kann nicht mehr als ein Identisches gedacht werden. Für eine theologisch fundierte Sexualethik, die auf einem Bund zwischen Mann und Frau sowie Eltern und Kindern gründet, stellt diese Entwicklung eine immense Herausforderung dar. Das Seminar stellt sich zunächst die Aufgabe, die überlieferten theologischen Begründungen zu sichten. In einem zweiten Schritt sollen diese Befunde mit den Anforderungen, die die künftige Gesellschaft an eine moderne Sexualethik stellen muß, konfrontiert und die hierfür bereitgestellten Konzepte diskutiert werden. U.a. wird es um Ethikentwürfe von Singer, Dworkin und Birnbacher gehen.
Einstieg: Sexualität und Spätmoderne. Über den kulturellen Wandel der Sexualität. Hg. v. Gunter Schmid u. Bernhard Strauß, Stuttgart 1998.

WS 1999/00, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Ist Theologie eine Kulturwissenschaft?
Mit der neuen Struktur der Fachbereiche fällt die evangl. Theologie unter die „Geschichts- und Kulturwissenschaften“. Der Begriff der Kulturwissenschaften ist gegen eine Tradition gerichtet, in der die Fächer der philosophischen Fakultät kulturelle Gegenstände als Objektivation des Geistes ausgelegt und einem evolutionären Prozess der Selbstentfaltung des Geistes zugeordnet haben.
Das Seminar setzt zunächst bei gegenwärtigen Entwürfen von Kulturwissenschaft an, kehrt dann zu Karl Barths Kritik theologisch/kirchlicher Ausprägungen jener Selbstentfaltung des Geistes in Gestalt des „Kulturprotestantismus“ zurück, um anschließend nach der Position von Theologie im Ensemble der Kulturwissenschaften zu fragen. Im Mittelpunkt steht hierbei die Auseinandersetzung mit einer Lesart der Geschichte der Kulturwissenschaft, die die Barthsche Theologie einer „allgemeinen Kulturkritik antiliberaler Intellektueller“ zuschlägt, sie so der „Konservativen Revolution“ annähert.
Einstieg: Hartmut Böhme, „Einführung in die Kulturwissenschaft“ unter <http://www.culture.hu-berlin.de/KWS/Home/kw_einfuehrung.html>, Friedrich Wilhelm Graf, Artikel „Kulturprotestantismus“, in TRE XX, 1990: 230-243.

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1998/99

SoSe 1999, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Pietismus als Phänomen der Neuzeit
Im ersten Teil des Seminars sollen anhand ausgewählter Text von A.H.Francke, J. Spener u.a. die Entstehung und Programmatik des Pietismus, sowie seine Bedeutung für die Herausbildung der bürgerlichen Gesellschaft nachgezeichnet werden. Im zweiten Teil geht es um die Frage, welche Rolle pietistische Innerlichkeit-im Zeitalter eines globalen Kapitalismus, dessen Zauberwort „Flexibilität“ (Richard Sennett) heißt, noch spielen kann. Bei Interesse ist eine Exkursion zu den Franckeschen Stiftungen nach Halle vorgesehen.

WS 1998/99, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Leo Strauss: Ein Rekurs auf die Anfänge der Politischen Philosophie
Strauss, der nach seiner Emigration in die USA dort eine anhaltende und inzwischen auch kontrovers dikutierte Wirkung entfaltete, gilt als philosophische und politische Herausforderung. Anhand seiner wohl bekanntesten Bezugsgrößen in den 20er Jahren, Martin Heidegger und Carl Schmitt, soll es darum gehen, seine Wiederbegründung der politischen Philosophie aus der jüdischen Theologie zu verfolgen.
Einstieg: Meier, Heinrich: Die Denkbewegung von Leo Strauss. Die Geschichte der Philosophie und die Intention des Philosophen, Stuttgart / Weimar 1996.

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1997/98

SoSe 1998, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie
Heideggers „Schweigen“ zu Auschwitz. Folgerungen für theologisches Denken
Innerhalb der Debatte um Heideggers NS-Vergangenheit ist die Rede von seinem „Schweigen“ zu einem festen Topos geworden. Anhand ausgewählter theologischer bzw. philosophischer Texte soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit die in der Diskussion um Heideggers „Schweigen“ offengelegten Denkformen auch in theologischem Denken präsent sind und damit jene mentalen Strukturen mitbedingt haben, die in der Debatte um Goldhagens Buch erneut thematisiert wurden.
Einstieg: Lyotard, J.-F., Heidegger und die „Juden“, Wien 1988

WS 1997/98, FU-Berlin, Fachbereich Kultur- und Geschichtswissenschaft / Evang. Theologie (in Vertretung von Annette Schneider)
Pawel Florenski: „An den Wasserscheiden des Denkens“
Die Lebens- und Denkwege P. Florenskis – ein Priester, Theologe, Philosoph, Naturwissenschaftler, Poet und Märtyrer –, der versuchte, eine Brücke zwischen (Natur-)Wissenschaft und Glauben zu schlagen, als Herausforderung an unser in Disziplinen befangenes Denken zu erfahren, soll Ziel dieses Proseminars sein. Geplant ist eine Lektüre ausgewählter Texte, die in vergleichender Gegenüberstellung zu Texten zeitgenössischer Theologen (Barth, Bultmann u.a.) eine neues Licht auch auf eine der entscheidenden Phasen der Theologiegeschichte dieses Jahrhunderts werfen.
Lit.: Pawel Florenski: An den Wasserscheiden des Denkens. Hrsg. v. Sieglinde und Fritz Mierau, Berlin: Kontextverlag, 2. Aufl., 1994 (1. Aufl. 1993)

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